Was ist Backcasting?
Ein Speicher oder eine PV-Anlage wird auf Basis eines Lastgangs, angenommener Strompreise und einer Erzeugungsprognose ausgelegt. Ob die Anlage im Betrieb hält, was der Business Case verspricht, zeigt sich erst danach. Der direkte Vergleich von Planung und Messung reicht dafür aber nicht: Verbrauch, Erzeugung und Preise kommen fast nie so wie angenommen.
Beim Backcasting rechnen wir den Betrieb Ihrer fertigen Anlage mit denselben Daten nach, die wirklich eingetreten sind – gemessene Last, gemessene Erzeugung, reale Preise und Netzentgelte. Das Ergebnis ist das Optimum unter genau diesen Bedingungen. Daran lässt sich der Realbetrieb fair messen.
Ein Modell, drei Blickwinkel
Warum Plan und Messung allein in die Irre führen
Zwischen der Auslegung und dem Realbetrieb liegen drei Effekte. Nur einer davon lässt sich steuern:
- PreiseffektStrompreise und Netzentgelte haben sich verändert – das steuert niemand.
- StandorteffektDer Betrieb verbraucht mehr oder weniger, die PV erzeugt anders als geplant.
- FahrweiseWie gut Energiemanagement und Speicher die Chancen nutzen – das lässt sich verbessern.
Erst wenn man diese drei trennt, sieht man, ob die Planung gut war und ob die Steuerung liefert. Deshalb vergleichen wir in Prozent der Kostensenkung, nicht in Euro.
So sieht das Ergebnis aus
Planwert 2025
Backcast 2026
gemessen 2026
Der Backcast kennt die Zukunft, das Energiemanagementsystem muss sie schätzen. Ein Realbetrieb, der dauerhaft 100 % des Optimums erreicht, ist eher ein Hinweis auf ein zu niedrig gerechnetes Optimum. Aussagekräftig ist der Abstand – und woher er kommt.
Typische Ursachen für den Abstand
- VerfügbarkeitDie Batterie folgt dem Steuerbefehl nicht oder ist zeitweise nicht erreichbar.
- AbregelungDie PV wird per Redispatch abgeregelt, während der Speicher leer ist.
- Prognose und ReserveDas System hält Reserve für unerwartete Spitzen – sicher, aber weniger effizient.
- ZielspitzeEine knapp gesetzte Zielspitze ohne Puffer kann eine teure neue Jahresspitze auslösen.
So gehen wir vor
- 01AuslegenSimulation mit Ihrem Lastgang, Zielspitze mit Puffer.
- 02Daten sichernZugang zu 15-Minuten-Daten schon in der Projektierung vereinbaren.
- 03NachrechnenBackcast nach den ersten Monaten Betrieb.
- 01Daten erhebenBetriebsdaten aus Energiemanagement und Messung zusammenführen.
- 02NachrechnenOptimum unter den realen Bedingungen bestimmen.
- 03Lücke erklärenUrsachen benennen und Stellschrauben priorisieren.
Was Sie davon haben
- NachweisSie wissen, ob Ihre Investition hält, was versprochen wurde.
- Mehr EinsparungKonkrete Stellschrauben, um die Lücke zum Optimum zu verkleinern.
- Bessere EntscheidungenGrundlage für Gespräche mit Errichter, Betreiber oder einen Wechsel des Energiemanagementsystems.
Häufige Fragen
Für welche Anlagen eignet sich Backcasting?
Vor allem für Batteriespeicher und gesteuerte Anlagen mit Energiemanagement, bei denen die Fahrweise über die Einsparung entscheidet – etwa Peak Shaving, Eigenverbrauch und Stromeinkauf.
Welche Daten brauchen Sie?
Messwerte in 15-Minuten-Auflösung für Last, Erzeugung und Netzbezug, möglichst auch Ladestand und Verfügbarkeit des Speichers, dazu Tarif und Netzentgelte.
Wie oft ist ein Backcast sinnvoll?
Ein erster Check nach einigen Monaten Betrieb, danach zum Beispiel jährlich zusammen mit der Lastganganalyse.
Sind Sie an einen Hersteller gebunden?
Nein. Wir prüfen herstellerunabhängig – gerade deshalb ist das Ergebnis für Sie belastbar.
Methode und Praxisbeispiel nach: Tjaden, Robers, Kramer, König-Kotzur, Schneider (2026): Auslegung trifft Realität. Ein Speicherprojekt im Praxistest. Whitepaper von 1PUNKT5, be.storaged und minimum energy.